Liechtensteiner Vaterland, 17.9.2008
Liechtensteiner Vaterland, Mittwoch, 17.9.2008 Haben ein «Unding» geschaffen: Autor Stefan Sprenger, Unternehmer Urs Sprenger und Maler Werner Marxer. Bild sdb Die Stunde null beginnt in VaduzEine Vernissage vor verschlossenen Türen. Dass sich trotzdem ganz neue Welten auftun können, zeigten gestern Werner Marxer und Stefan Sprenger mit «Zeropolis» – einer Installation, die den Betrachter mehr erahnen lassen soll, als er sieht.VON JANINE KÖPFLI«Wo müssen wir denn eigentlich stehen? Unten oder oben?» Ein leicht verwirrter Vernissagebesucher steht am Fuss der Treppe, die zur Plattform vor dem Südportal des Kunstraums Engländerbau führt. «Oben, die Ausstellung ist oben», sagt jemand und bietet dem Herrn eine Brezel und ein Glas Wein an.Oben angekommen, heisst es zunächst anstehen. Wer seine Neugierde befriedigen möchte, muss warten, denn in den vier aneinandergeschweissten Metallplatten gibt es nur einen einzigen Sehschlitz, der den Blick auf «Zeropolis» freigibt – auf die Stunde null. Für Werner Marxer und Stefan Sprenger ist «Zeropolis» Anlass, um das Verhältnis zwischen Individuum und Staat, Staat und Staatengemeinschaft sowie nationaler und globaler Ökonomie auf den Prüfstand zu stellen. So steht es zumindest im Vorausbericht zur Ausstellung. Für den Betrachter ist «Zeropolis» zunächst ein hell erleuchteter Raum und von Leuchtkörpern heissgemachte schwarze Metallplatten, die eine Art Zelt bilden. Die Künstler sind radikal, sie bieten dem Betrachter nur wenig, woran seine Augen hängen bleiben könnten. Man ist kurz davor, «Da ist ja gar nichts» zu sagen.«Austarieren des Sichtbaren»Nichts? Alles! Die überhelle Zone zieht einen hinein. Man steht am Rand und befindet sich trotzdem plötzlich mittendrin. Der Blick ist eingeschränkt, der Geist offen – offen für Hoffnung, offen für Fragen, offen für eine sinnliche Erfahrung, wie es Vernissageredner Peter Stobbe nennt. Für ihn ist der Blick durch den Sehschlitz ein «Austarieren des Sichtbaren». Er sucht nach dem, was hinter den Rändern ist, nennt «Zeropolis» einen «Nomen-est-Omen-Sprengsatz von ausserordentlicher Wirkung». Es gehe jedoch nicht um Zerstörung. Im Gegenteil, Neues werde geschaffen: Ein Unding, ein heikler Übergang zwischen den Welten, wie Peter Stobbe sagt. Ein System, das sich erst mit dem Betrachter öffnet, das auf Kommunikation oder Sprachlosigkeit baut. Eine Stunde null, die es eigentlich gar nicht geben kann.SprachlosDie Installation Zeropolis ist die erste Arbeit, die Werner Marxer und Stefan Sprenger unter dem neuen Namen «marxer x sprenger» zeigen. Auch Urs Sprenger ist beteiligt. Maler, Autor und Unternehmer – die drei Männer wollen ihre Fähigkeiten bündeln. «Zeropolis» beantwortet Fragen und wirft zugleich Fragen auf. «Was hast du gesehen?», fragt Stefan Sprenger am Ende der Vernissage einen kleinen Jungen. Der Junge sagt nichts und versteckt sich hinter seiner Mutter. Nichts zu sagen, ist im Fall von «Zeropolis» wohl auch eine Antwort, die die Macher freut.«Zeropolis» bis 2. November im Kunstraum Engländerbau, Vaduz. Am 4. Oktober, 19.30 Uhr: Künstlergespräch mit Werner Marxer und Stefan Sprenger vor dem Südportal.
