Pressebericht Liechtensteiner Volksblatt, 17.9.2008

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Liechtensteiner Volksblatt, Mittwoch - 17. September 2008 | 01:06

Installation «Zeropolis» im Kunstraum Engländerbau

VADUZ - Bis zum 2. November bleibt der Kunstraum Engländerbau geschlossen. In ihrer radikalen Installation «Zeropolis» verorten Werner Marxer, Stefan Sprenger und Urs Sprenger alias «marxer x sprenger» das politisch, gesellschaftlich und künstlerisch Sagbare am Nullpunkt. Mit dem Kunstraum ist schon so einiges angestellt worden. Bleiben die Fenster zu oder werden sie doch irgendwann (wieder) geöffnet? Cathrin Lüthi C. ging Anfang letzten Jahres so weit, ein Loch in die falsche, innere Wand zu hauen. Ihre ursprüngliche Idee, das Loch komplett und für die Dauer ihrer Ausstellung «Baulos» den Raum nur durch dieses Loch begehbar zu machen, musste sie schliesslich fallenlassen. Werner Marxer, Stefan Sprenger und Urs Sprenger haben einen anderen Weg gewählt, um auf den Raum und über diesen hinaus zu weisen, unter dem Titel «Zeropolis» gleichsam einen konzeptionellen Sprengsatz in den Raum hineingeworfen und diesen zugeschweisst. «Radikal» nannte Peter Stobbe, frischgebackener Direktor der Kunstschule Liechtenstein, in seiner Ansprache zur gestrigen Vernissage, seinem ersten öffentlichen Auftritt im Lande, das Kunstwerk. Die Radikalität besteht zunächst darin, dem Betrachter die freie Sicht auf das Kunstwerk und den Zutritt zum Kunstraum zu verweigern. Während drinnen besonders grelle Lampen den Raum aufheizten, standen die Gäste der Ausstellungs-«Eröffnung» draussen in der Kälte. Was entsteht in der «Brennkammer»? Die Eingrenzung des Blicks durch einen verglasten Sehschlitz stellt grundsätzlich die uns gewohnte, uneingeschränkte Betrachtung der Welt und ihrer Dinge, oder was wir für uneingeschränkt halten, infrage. Wer sich bückt und auf dem einzig möglichen Weg durchs Schauglas in die «Brennkammer» Kunstraum schaut, in der irgendetwas abzulaufen oder zu entstehen scheint, erblickt eine Art Zelt aus schwarzem Metall. Diese legt den Gedanken an eine urtümliche Schutzhütte nahe oder vielleicht auch an das in seiner Formensprache irgendwie auch urtümlich gedachte neue Landtagsgebäude. Das ist gar nicht so furchtbar weit hergeholt, meint doch das griechische Wort «πόλις» den (Stadt-)Staat; und politisch war die Kunst Werner Marxers und Stefan Sprengers schon immer. Man denke nur an den «Demokratie-Verstärker», den sie 2002 wenige Meter vom Kunstraum entfernt, vor dem Regierungsgebäude, aufstellten. Ergebnisoffene Versuchsanordnung «Zeropolis» ist die Summe der sicht- und denkbaren Teile, eine ergebnisoffene Denkwerkstatt und als «Null-Ort» Ausgangspunkt von Manifestationen des Symbolischen, wobei erst durch den - einzelnen - Betrachter aus dem geschlossenen ein offenes, kommunizierendes System wird. Das Licht leuchtet alles unerbittlich aus, das Modellhafte wird beim genauen Hinsehen überlebensgross, die grundsätzliche Frage nach Bedeutung und Wirkung künstlerischen Schaffens in der Gesellschaft, aber auch jene nach Bedeutung und Beeinflussbarkeit gesellschaftlicher Abläufe allgemein schält sich aus dem dargebotenen, laborhaften System.