ZEROPOLIS

Der Kunstraum Engländerbau in Vaduz zeigt vom 16. September bis zum 2. November die Installation ZEROPOLIS von marxer x sprenger.

Ungewöhnlich an dieser Ausstellung ist die Nutzung des 400 Quadratmeter grossen Raumes: Er ist für die Dauer der Ausstellung geschlossen. Ein einzelner, unauffälliger Sehschlitz im ansonsten nur während den Aufbau- und Abbauarbeiten als Serviceportal benutzten Südöffnung gestattet einen Blick von aussen auf ZEROPOLIS. Zu sehen ist wenig, das aber deutlich: Eine 480'000 Lumen starke Lichtquelle macht den weissen Raum zu einer Brennkammer, in der einzig ein rudimentäres Zelt aus Metallplatten Schutz zu bieten scheint.

ZEROPOLIS ist ein Kunstwort aus den Wörtern Zero und Polis. Zero – „Null“ – stammt aus dem Arabischen; Polis – „Stadtstaat“ – aus dem Altgriechischen, die Wortwurzel für das Wort Politik. Der französische Schriftsteller Bruce Begout verwendet das Wort für die gigantisch inszenierte Inhaltsleere von Las Vegas („Zeropolis. Las Vegas als Sinnbild des Amerikanischen Traums. Liebeskind 2003); für uns bedeutet es eher eine Art Nullkoordinate für Grundfragen der Machtteilung zwischen Individuum und Staat, zwischen Staat und Staatengemeinschaften, auch zwischen nationaler und globaler Ökonomie, die sich heute neu und anders stellen. Für diese von uns behauptete „Stunde Null“ will ZEROPOLIS ein Bild schaffen.

In ZEROPOLIS kommen zwei aesthetische Strategien zur Anwendung: Materialreduktion auf ein Mindestmass und die Mitinszenierung des Betrachters. Der Reduktion kommt die Anlage des Kunstraums Engländerbau als „white cube“ sehr entgegen. Als „überbelichteter Guckkasten“ bietet er einen gnadenlos abstrakten Raum, der, sparsam und präzise bestückt, die darin platzierten Objekte in die Kategorien von Ideen zu verschieben scheint. Der Blick in diesen Raum wird doppelt kanalisiert: Der Sehschlitz gestattet nur eine einzige Perspektive auf die Arbeit; auch vereinzelt er den Betrachter. ZEROPOLIS erlaubt – jedenfalls was den Blick betrifft – kein kollektives Gegenüber. Zweck der Reduktion soll eine Maximierung der Intensität des Gezeigten sein. Zweck der Kanalisierung des Blicks via Sehschlitz ist die Verwandlung des Raumes in ein Bild und die Übertragung dieses Bildes in den Kopf des Betrachters. Das Bild soll in der Art eines „hellen Traumas“ noch lange nach dem Blick durch den Sehschlitz nachwirken, so Deutungen ansammeln, aber in seiner Essenz fremd bleiben.